Seit über 20 Jahren prägt Carmen Lossen das Kinderturnen im TuS 1904 Dansenberg – mit kreativen Ideen, pragmatischen Lösungen und vor allem mit der Überzeugung, dass auch kleine Schritte viel bewirken können. Dafür wurde sie nun von der Deutschen Turnjugend (DTJ) als „Clubleitung des Jahres“ ausgezeichnet. Unter dem Motto Nachhaltigkeit setzt sie im Kinderturnclub des TuS Dansenberg nachhaltige Akzente: Vom Reparieren von Geräten bis hin zur Wiederverwendung von Alltagsmaterialien. Im Interview spricht Carmen Lossen über ihre Motivation, ihren Weg und darüber, wie Nachhaltigkeit im Turnalltag nicht nur ein Ziel, sondern gelebte Praxis wird.
Wie hast du reagiert, als du davon erfahren hast, dass du Kinderturnclubleiter des Jahres bist?
Als ich die Nachricht bekommen habe, habe ich mich unglaublich gefreut. Es macht mich sehr glücklich, dass ich für meinen Einsatz im Bereich der Nachhaltigkeit einen Preis erhalte, da es mir zeigt, dass sich der Einsatz für diese wichtige Sache lohnt und gesehen wird.
Du engagierst dich seit vielen Jahren im Kinderturnen. Wie bist du ursprünglich dazu gekommen, dich so intensiv in diesem Bereich einzusetzen?
Zum Kinderturnen kam ich schon früh in meiner Jugend, als ich mit drei weiteren Jugendlichen das Kindergartenturnen übernahm. In den darauffolgenden Jahren konnte ich die Übungsleiterinnen Tätigkeit in unterschiedlichen Vereinen ausüben und so viele Kinder früh für die Bewegung motivieren. Nach der Geburt meiner eigenen Kinder, begann ich in drei Kindergärten Turnen anzubieten und stellte fest, dass ich dort noch mehr Kinder erreichen konnte als im Verein. Später übernahm ich das Eltern-Kind-Turnen und das Kindergartenturnen zusätzlich zum Schulturnen, da die Übungsleitenden fehlten. Die Unterstützung des Kinderturnclubs durch Bücher/CD Aussendungen, Praxistipps und Fortbildungen veränderten meine Stundenbilder vor allem für die Kleinsten von Jahr zu Jahr. Der Weg vom klassischen Gerätturnen wie die Großen hin zu kreativen Bewegungslandschaften und Spielen mit Klein- und Alltagsmaterialien.
Die Auszeichnung stand in diesem Jahr unter dem Motto Nachhaltigkeit. Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich im Kontext des Kinderturnens?
Nachhaltigkeit in diesem Kontext heißt für mich vor allem das Verwenden und Up-/Recycling von Alltagsmaterialien, die jeder Zuhause hat. Besonders prominent finde ich in diesem Bereich den Einsatz von Korken, Deckel für Gläser, Überraschungseier, Mouse-Pads, Gardinenringen etc. Mithilfe dieser doch sehr günstigen Produkte kann man viel Abwechslung in die unterschiedlichen Stunden einbauen oder auch den Kindern die Möglichkeit geben auf eigene kreative Ideen zu kommen. Des Weiteren ist für mich das Reparieren von Großgeräten ebenso wie die Nutzung von alternativen Geräten wie Getränkekästen, Wasserflaschen aus Plastik und Abflussrohren ein Anliegen. Da damit nicht nur Geld gespart, sondern auch den Kindern und Familien gezeigt werden kann, dass es meist gar nicht auf das exakte Gerät ankommt, sondern nur die Funktion entscheidend ist, die auch durch diese Dinge ersetzt werden kann. Gleichzeitig ist mir der Blick für Sauberkeit in der Natur und der Blick für die Natur wichtig, was wir durch gemeinsame Reinigungs- und Begrünungsaktionen auf dem Außengelände versuchen zu vermitteln.
Du setzt auf den kreativen Einsatz von Alltagsmaterialien. Kannst du ein Beispiel nennen, das bei den Kindern besonders gut ankommt?
Besonders beliebt sind bei den Kindern Spiele mit Alltagsmaterialien wie Dosendeckeln, die sich vielseitig einsetzen lassen – zum Beispiel zum Balancieren, Stapeln oder Klappern. Zu Ostern haben wir mit Überraschungseierhüllen einen besonderen Eierlauf oder Wurfwettbewerb gestaltet, was immer für viel Begeisterung sorgt. Auch die Spiele mit Gardinenringen machen den Kindern großen Spaß, weil sie damit werfen, zielen oder eigene Spielideen entwickeln können.
Welche Rückmeldungen bekommst du von den Kindern und Eltern zu deinen Nachhaltigkeitsaktionen?
Die Kinder, die bei der „Lautrer Kehrwoche“ (Aufräumaktion auf dem Außengelände der Sporthalle im Rahmen der Stadtweiten Aufräum- und Kehrwoche) sind sehr begeistert und meist erstaunt, welche Müllfunde sie so erleben. Auch die Eltern sind gerne bereit einen Nachmittag zu opfern und helfen gerne mit. Die Spiele mit den Alltagsmaterialien fördern die Fantasie der Kinder und auch die Eltern nehmen diese Ideen gerne mit nach Hause, um auch dort neben dem klassischen Spielzeug den Kindern eine Abwechslung bieten zu können.
Was würdest du anderen Übungsleiterinnen und Übungsleitern raten, die mehr Nachhaltigkeit in ihre Turnstunden bringen möchten?
Das Wichtigste ist es einfach damit anzufangen, gerne auch nur in kleinen Schritten. Wir haben zum Beispiel vor einigen Jahren angefangen damit einmal im Jahr rund um die Sporthalle aufzuräumen und dabei Müll zu sammeln. Außerdem fingen wir damit an Spielmaterialien wie Joghurtbecher o.ä. über Aufrufe in den Turngruppen oder am Halleneingang zu sammeln. Man muss sich Zeit nehmen, um ein Materialienfundus aufzubauen. Dieser kann aber auch, wenn man genug Platz hat über viele Jahre ergänzt werden.
Welche Projekte oder Ideen hast du als Nächstes geplant?
Ich möchte mich künftig noch stärker damit beschäftigen, Spiel- und Sportgeräte aus wiederverwendeten Materialien herzustellen. Besonders spannend finde ich es, Dinge wie Schweifbälle (aus alten Tennisbällen und Absperrband), Sockenbälle oder ein Deckel-Memory zu basteln. Vielleicht entsteht daraus auch ein Projekt, bei dem wir zu Weihnachten kleine selbstgemachte Geschenke herstellen.
Was motiviert dich, Woche für Woche mit so viel Herzblut in der Halle zu stehen?
Mich motivieren Woche für Woche die neuen Erlebnisse der Kinder. Man kann viele Entwicklungen der Kinder miterleben und sieht jede Woche einen anderen großen Schritt bei einem anderen Kind. Solche Ereignisse wie sich das erste Mal über den Balken ohne Hand trauen oder den Ball das erste Mal hochwerfen und wieder fangen zu können und die Freude der Kinder darüber bereichern mich. Aber auch der Spaß bei allen Kindern am Ende der Turnstunde, wenn sie das Abschlusslied am Fallschirm singen, zeigt, dass sich die Arbeit lohnt.
Wenn du den Kindern eine Botschaft mitgeben könntest - welche wäre das?
Was ich den Kindern mitgeben möchte, ist es immer neugierig und offen gegenüber Neuem zu sein. Diese Neugierde ist ganz egal, ob in der Turnhalle, im Wald oder auf der Straße. Bewegung und Entdecken machen überall Spaß.